Die Steinfurter Gartentage verfügen über eine lange Tradition, bereits zum 59. Mal fand das mehrtägige Gartenseminar vom 16. bis zum 18. Juni im Kötterhaus im Kreislehrgarten statt.

Den Auftakt bildete ein Empfang der Stadt Steinfurt, bei dem Bürgermeister Christian Franke das abwechslungsreiche Programm „am Puls der Zeit“ lobte. Landrat Dr. Martin Sommer und Verbandspräsident Carsten Rehers eröffneten die Gartentage. Rund 40 Teilnehmende nutzten das vier Tage währende Fachprogramm, um sich zu den Schwerpunkten Naturgarten und Wasser im Garten inspirieren zu lassen.
Auch wenn das Publikum in den vergangenen Jahrzehnten von „Wiederholungstätern“ mit teils weiter Anreise geprägt war, verschiebt sich der Schwerpunkt zu mehr Tagesgästen aus der Region. Die feste Kerngruppe, die sich eine ganze Woche Gartenurlaub gönnt, scheint mit den traditionsreichen Gartentagen etwas in die Jahre gekommen zu sein: Nur noch 14 Teilnehmende hatten das komplette Seminar gebucht. Gleichzeitig besuchten mehr als 25 Personen einzelne Tage oder Vorträge, sodass das Kötterhaus an allen Tagen gut besetzt war.
Das Fachprogramm startete wie gewohnt am Dienstagnachmittag mit einem Rundgang durch den Kreislehrgarten. Florian Stücker führte die Gruppe unter Anderem zu dem Staudenbeet, das im Vorjahr von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Steinfurter Gartentagen bepflanzt worden war. Alle zeigten sich beeindruckt, wie vielfältig die Staudenmischpflanzung „Thüringer Blütensaum“ die Fläche bereits im Laufe eines Jahres bedeckt. Angelika Laumann räumte in ihrem anschließenden Vortrag mit einigen hartnäckigen Gartenmärchen auf und erläuterte, wie man den eigenen Garten zu einem wahren Märchengarten umgestalten kann.
Der größte Anklang galt dem Schwerpunktthema Naturgarten am Mittwoch. Ulrike Aufderheide, eine Pionierin des Naturgartens, erläuterte die Entwicklung der Gartenkultur und der Gartenmoden im Laufe der Jahrhunderte. Im 17 und 18. Jahrhundert galt es beispielsweise als chic, seinen Reichtum durch die Sammlung von exotischen Pflanzen zu präsentieren. „Heutzutage sind Exoten nicht mehr hilfreich“ begründete Aufderheide ihr Plädoyer für einen Naturgarten mit mehr Vielfalt der Arten, der Lebensräume sowie deren Beziehungen untereinander. „Einheimische Pflanzen und halboffene Landschafts- und Gartenräume sind die sinnvollste Strategie, dem Klimawandel und dem Verlust der Biodiversität entgegenzuwirken“. Interessant war auch ihr Blick auf die sogenannten Unkräuter. Heimische Wildpflanzen bieten Nahrung und Lebensraum für die heimische Fauna. Daher sollten also nur solche Pflanzen entfernt werden, die die Funktion der Fläche stören, wie z.B. Giersch, Schachtelhalm, Ackerwinde und Co. Auf ausdrücklichen Wunsch des Publikums erläuterte sie das Thema Wildstaudenbeete etwas genauer, denn gut gepflegte Wildstaudenbeete in den Gärten und Parks sind die „besseren Blumenwiesen“ und können Lebensräume bieten, die in Wald und Feld aufgrund der intensiven Nutzung kaum mehr zu finden sind.

Udo Hövelmeyer räumte in seinem Vortrag zu Hummeln und Hornissen mit dem Gartenmärchen vom tödlichen Hornissenstich auf. „Hornissen sind friedliche Gesellen, die es im Gegensatz zu Wespen nicht auf den Pflaumenkuchen auf der Kaffeetafel abgesehen haben. Nur wenn sie sich bedroht fühlen, machen sie sich durch rotierende Flügelbewegungen bemerkbar“ erläuterte der Hornissenbeauftragte des Kreis Steinfurt. Fesselnd war auch Hövelmeyers breit gefächertes Fachwissen über die Hummeln –wahre Sympathieträger unter den Wildbienen. Auch seine Einschätzung zur Asiatischen Hornisse, die es nicht nur auf Honigbienen, sondern auch auf viele Schädlinge abgesehen hat, war spannend.
Donnerstag und Freitag stand das Thema Wasser im Mittelpunkt. Bei sommerlichen Temperaturen um die 30 Grad Celsius passte eine Exkursion zum Natura Gart Park in Ibbenbüren perfekt in das Veranstaltungsprogramm. Großzügige Teich- und Wasserwelten boten ein erfrischendes Erlebnis, besonders der kühle Aquarium-Bereich lud zu spektakulären Fotos ein. Am Abend weckte der Vortrag von Landschaftsarchitekt Carsten Becker Lust auf einen Schwimmteich oder Pool im eigenen Garten – sofern Platz und Budget es zulassen. Aber es geht ja auch eine Nummer kleiner: Norbert Resing und Klaus Krohme zeigten am Freitag, wie man mit schönen Gefäßen und ein wenig Technik kleine Wasserspiele für Garten und Terrasse bauen kann, die nicht nur an heißen Sommertagen einen Blickfang bieten. Auch Insekten und Kleinsttiere profitieren von diesen Wasserstellen.
Passend zu den Bewässerungsverboten, die aktuell bundesweit in vielen Landkreisen und Kommunen ausgesprochen werden, ging es beim Vortrag von Petra Bloom um einen sparsamen Umgang mit der Ressource Wasser. Es gab vielfache Anregungen, wie man seinen Garten in einen Schwammgarten verwandelt sowie praktische Tipps zum richtigen Gießen. Einige Tipps zur Bewässerung von Hochbeeten hat die Redakteurin Mareike Schulte vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben, die als Gast an den Gartentagen teilgenommen hatte, in dem Artikel „Durstiges Hochbeet“ zusammengefasst.

Quelle: Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben 28 / 2026
Bilder: LV Gartenbauvereine NRW e.V.