Wenn ich mit Bekannten durch meinen Garten gehe, höre ich immer wieder, dass das alles gut und schön wäre, aber lohne sich das überhaupt – so ein Nutzgarten? Früher waren meine Pro-Argumente immer: uns stünde das Gemüse und Obst stets frisch zur Verfügung, der Geschmack sei besser, wir wüssten genau, wie es behandelt worden wäre, es entfielen die Transportwege und ich könne Sorten wachsen lassen, die mir besonders gefallen würden aber im Handel nicht zu finden seien. Außerdem: da man bei der Züchtung der handelsüblichen Gemüsesorten das Hauptaugenmerk auf Haltbarkeit, schnelles Wachstum und gleichmäßige Ernte lege, könnten sich dadurch oftmals die Mengen an wertvollen Inhaltsstoffen vermindern. Genau diesen Nachteil könne man durch den eigenen Anbau vermeiden.
Doch war durch diese allgemeinen Hinweise die eigentliche Frage: „Lohnt sich das?“ in finanzieller Hinsicht nicht beantwortet. Man kann natürlich einwenden, dass viele andere Hobbys nur Geld kosten, während der Garten dafür sorgt, dass Ausgaben verringert werden können. Das ist leicht gesagt – aber stimmt das auch? Welchen ganz konkreten Wert hat denn nun so eine Jahres-Ernte aus dem eigenen Garten?
Das wollte ich genau wissen. Als Buchhalter und Excel-Freund habe ich deshalb 2017 fast alles, was wir aus dem Garten geerntet haben, gewogen bzw. gezählt (gut, dass es Waagen mit Tara-Funktion gibt, da musste ich das Eigengewicht der jeweiligen Schüssel nicht immer abziehen). Nach der Auswertung dieser Aufzeichnungen war das Erstaunen groß; eine Saat-Portion Feldsalat z.B. ergab eine Ernte von 3,6 kg: vom 17. Dezember bis zum 10. Februar gab es 16 Ernten von jeweils 200 – 300 g! Da zahlte es sich aus, dass ich die Samen nicht zu dicht ausgesät hatte. Verwunderlich war neben der Gesamtmenge auch die Anzahl der Ernten bei Gemüse und Obst. Im Laufe des Jahres ist es ganz normal, eben im Garten etwas für den Mittagstisch zu holen. Wenn man aber direkt nachverfolgen kann, wie oft so etwas tatsächlich passiert, bekommt man schon große Augen: sage und schreibe 51 Mal haben wir z.B. Zucchini geerntet! Natürlich haben wir nicht jede Frucht selbst gegessen. Einige wurden auch verschenkt, aber trotzdem in die Gesamternte eingerechnet, da ja auch Geschenke ihren Wert haben und sei es nur als Festigung der Freundschaft oder Nachbarschaft, wobei wir stets darauf geachtet haben, keinen mit den Ernten zu „überschwemmen“. Apropos „überschwemmen“: im August konnten wir an einem Tag rund 10 Kilo Tomaten ernten und daraus Saft bzw. Chutney kochen. Insgesamt ernteten und verarbeiteten wir über einen Zentner Tomaten!
Nach der Addition aller Einzelbeträge war auch die Verwunderung über die Gesamtsumme groß: aus meinem rund 300 m² großen Nutzgarten und dem Gewächshaus (2,50 x 3,70 m) kamen Früchte im Wert von über tausend Euro! Allein die Ausbeute aus dem Gewächshaus macht deutlich, dass solch ein Hilfsmittel nicht nur Wachstums- und Anbauvorteile bietet, sondern auch die Kosten sich nach einigen Jahren bereits amortisiert haben können – je nach Nutzung. Um den Wert der einzelnen Gemüse- und Obstsorten recht genau zu ermitteln, hatte ich im jeweiligen Ernte-Zeitraum die Preise auf dem Wochenmarkt in Kleve notiert und meinen Berechnungen zugrunde gelegt. Eigentlich hätte ich auch die Preise aus dem Bioladen nehmen können, da die Qualität von eigenem Obst und Gemüse oftmals diesen Ansprüchen recht nahekommt – also könnte der Wert sich noch um einiges nach oben verschieben.
Diese tausend Euro erzielte ich zudem in einem Jahr, in dem am 20. April ein Nachtfrost die Ernte der Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kiwi, Quitten und Walnüsse quasi auf null setzte! Beim Obst habe ich nur den reinen Früchtewert und nicht den Wert der daraus hergestellten Marmelade bzw. Gelee berücksichtigt; auch die geernteten Kräuter, Gewürze und Blumen habe ich nicht in die Auswertung übernommen. Ausgaben für Saatgut, Anzucht- und Gemüseerden lagen in dem Jahr bei rund 120 Euro.
In dem Zusammenhang fällt auch hin und wieder die Bemerkung: „Wenn man die Stunden rechnet, die man im Garten verbringt…“ Meine Meinung: der Zeitaufwand darf nicht so negativ bewertet werden. Wenn ich entspannt im Garten säe, ernte, jäte oder gieße, sitzen andere entspannt vor dem Fernseher, dem PC oder ihrem Smartphone – wenn man da die Stunden rechnet… Weil ich keinen Wert auf Rekordernten lege, bleibt mein Düngereinsatz (Kompost, Hornspäne, Kalk, Gesteinsmehl) auch im normalen Rahmen.
Mein Ziel bei dieser Aktion war es, konkret festzustellen, was mein Nutzgarten mir tatsächlich in einem bestimmten Jahr nutzt, um bei einem Gang mit Freunden durch den Garten noch eine Antwort im Ärmel zu haben, wenn wieder mal gefragt wird, ob sich denn ein Garten wirklich lohne.

Text: Manfred Kotters
Bild: Petra Bloom