Ihr Manfred Kotters

Sichere Trauben- und Beerenernte trotz Vögel und Wespen

Ungespritzt sollen sie sein, schön groß und lecker: Trauben aus dem eigenen Garten. Lange hat man nach der richtigen Sorte gesucht, sich über Gartenzeitschriften, Fachbücher und Youtube den Winter- und Sommerschnitt beigebracht, die Anzahl der Trauben durch beherzten Schnitt stark reduziert, um „marktfähige“ Früchte zu bekommen – und dann das: innerhalb weniger Tage haben Vögel und Insekten als Mitesser nur noch wenige zerfetzte Beeren übrig gelassen! Ein paar Trauben hätte man ihnen wirklich gegönnt – aber alles?! Die Enttäuschung sitzt tief – doch: es gibt Möglichkeiten, das zu verhindern.

Zum einen kann man die komplette Pflanze einnetzen. Vorteile: es ist lediglich ein Arbeitsgang erforderlich und je nach Standort und Wuchsform kann das relativ schnell geschehen. Nachteile: je nach Art des Netzes können sich Vögel darin verfangen und möchte man peu à peu die Fruchtstände ernten, kann es womöglich umständlich werden, an die Trauben zu gelangen.

Mit einer anderen Methode ist man wesentlich flexibler: jeder einzelne Fruchtstand wird separat eingepackt. Dazu benötigt man Beutel, die licht- und luftdurchlässig sind sowie oben zugezogen werden können. Mittlerweile sind diese Beutel im Handel erhältlich – aber wenn die Weinpflanze schon im vollen Ertragsalter steht, bedarf es schon leicht 50 und mehr von diesen Behältnissen – dann wird es teuer! Mit ein wenig handwerklichem Geschick kann man die Beutel auch selbst nähen. Hierzu benötigt man feinmaschigen Gardinen- oder Organzastoff, der weiß oder zumindest sehr hell sollte. Bei einem dunklen Stoff würde die Früchtedurch das Aufheizen Schaden nehmen.

Egal ob gekauft oder selbst genäht: sobald man erkennt, dass  die Trauben anfangen zu reifen, sollte man schnellstmöglich diesen Schutz anbringen, denn das Zeitfenster zwischen Unreife und beginnenden Vogelfraß ist klein. Logischerweise sollte man mit dem Anbringen der Beutel auf jeden Fall auf das Ende der Blütezeit warten, da ansonsten die Bestäubung verhindert würde. Beim Einpacken der Fruchtstände muss beachtet werden, dass die zugezogene Öffnung des Beutels fest am Fruchtstiel anliegt und sich durch (Wind-)bewegungen nicht lösen kann, damit sich keine Wespen durchzwängen können – das spricht sich nämlich in diesen Kreisen schnell herum! Nun ist die Traube sicher vor Vögel, Insekten und Verschmutzungen.
Zum Ernten schneidet man lediglich den Fruchtstiel durch; man sollte allerdings beachten, dass sich an dem Textil eventuell Wespen befinden können, die sich bei unsanfter Behandlung schmerzvoll wehren können. Wenn die Weinpflanze eine Mauer berankt und Fruchtstände im unteren Bereich in dieser Weise geschützt werden, sollten die Beutel nicht die Wand berühren, da Mäuse sich ein Loch beißen und die Ernte für sich beanspruchen könnten. Da man der Tierwelt auch gerecht werden will, werden selbstverständlich nicht alle Trauben eingepackt; außerdem sieht man so den Reifegrad der Früchte, ohne einen Beutel öffnen zu müssen.

Mittlerweile kommt es immer häufiger vor, dass Vögel auch Äpfel oder Birnen als willkommene Nahrung ansehen. Auch hier sind ein mechanischer Fruchtschutz wirkungsvoll. Im Handel gibt es mittlerweil große Beutel, mit dem ein kompletter (Jung)baum oder Berrenstrauch oder einzelen Äste eingepackt werden können. Beim Verpacken sollte man darauf achten, dass die Früchte nicht beschädigt werden, da ansonsten Fäulnis die Folge wäre. Auch wenn die so geschützten Pflanzen den Eindruck eines Adventskalenders bzw. eines Kindergeburtstages vermitteln, sollte man stets das wohlschmeckende Ergebnis dieser Aktion vor Augen haben und lächelnd denken: Optik ist wirklich nicht alles!

TExt und Bilder: Manfred Kotters