Erdmandeln, auch Chufas oder Tiger Nuts genannt, sind derzeit als so genanntes Superfood im Trend. Sie sind reich an präbiotischen Ballaststoffen, liefern wertvolle ungesättigte Fettsäuren, enthalten Magnesium, Kalium, Eisen und Vitamin E, haben einen niedrigen glykämischen Index, sind glutenfrei, für Nussallergiker geeignet und schmecken angenehm süß nach Mandel (namensgebend) und Vanille. Deswegen wird das Erdmandelgras (Cyperus esculentus) als Trendpflanze im stationären und im Online-Handel aktuell stark beworben, wodurch es gegenwärtig die Haus- und Kleingärten erobert.
Das invasive Unkraut gefährdet die heimische Lebensmittelproduktion
Das Erdmandelgras vermehrt sich über Knöllchen im Boden, den sogenannten Erdmandeln. Aus Sicht der heimischen Landwirtschaft ist Erdmandelgras als ein invasives Unkraut zu sehen, das sich sehr schnell verbreitet, kaum bekämpfbar ist und hierdurch unsere heimische Lebensmittelproduktion gefährdet. International wird es zu den 20 gefährlichsten Unkräutern der Welt gezählt.
In Niedersachsen wird ein Befall seit Anfang der 80er Jahre beobachtet, dieser hat sich exponentiell ausgedehnt – auf aktuell mindestens 250.000 Hektar. Auch in Nordrhein-Westfalen breitet es sich sehr stark aus. Nach aktuellen Schätzungen der Landwirtschaftskammer NRW ist es bereits auf etwa 25.000 Hektar in NRW zu finden. In den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und weiteren Ländern ist das Erdmandelgras schon länger ein Problem. Hier wurden verschiedene mechanische, thermische, physikalische, biologische und chemische Maßnahmen getestet. Keine dieser Behandlungen, auch nicht in Kombination, war geeignet, um eine Fläche wieder befallsfrei zu bekommen. Auch in Deutschland ist bislang keine Fläche bekannt, die nach stärkerem Befall wieder saniert werden konnte. Ein wirtschaftlicher Anbau von Kulturen wie Rüben, Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln usw. ist dann ggf. nicht mehr möglich. Auch im Gartenbau verursacht es hohe Ertrags- und Qualitätsverluste.
Eine nicht zu unterschätzende Gefahr geht von Haus- und Kleingärten aus
Das Erdmandelgras ist ein beliebtes Ziergras und durch die Mandeln als modernes Superfood gewinnt es aktuell zusätzlich an Bedeutung. Das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und die Landwirtschaftskammer NRW weisen in ihrer aktuellen Broschüre auf das invasive Potenzial des „Superfoods“ hin.
Der Pflanzenschutzdienst NRW rät grundsätzlich von einem Anbau im Haus- und Kleingarten ab!
Wer das Erdmandelgras trotz der Gefahren in seinem Garten anbauen möchte, sollte es nur in Töpfen kultivieren. Vom Anbau im Boden ist unbedingt abzuraten, denn auch eine Wurzelsperre schützt nicht dauerhaft vor einer Ausbreitung. Das Erdmandelgras bildet zwar nur wenige Samen aus, diese sind aber durch aus keimfähig, deswegen sollten die Blüten entfernt werden, sobald sie sichtbar sind.
Befindet sich das Erdmandelgras bereits in eigenen Garten, ist das vollständige Entfernen der Pflanzen und Mandeln angeraten. Dabei den Boden vorsichtig lockern, um möglichst viele Mandeln freizulegen. Entscheidend sind dabei regelmäßige Nachkontrollen. Neue auflaufende Pflanzen sofort entfernen, bevor sie neue Mandeln ausbilden. Für eine nachhaltige Bekämpfung sind mehrere Jahre einzuplanen. Sehr wichtig sind die richtige Entsorgung der Erdmandeln sowie des belasteten Bodens oder der Gartenabfälle. Diese auf keinen Fall auf benachbarte Felder ausbringen. Auch nicht auf dem eigenen Kompost oder über die Biotonne entsorgen, sondern in den Restmüll geben, um es der Müllverbrennung zuzuführen.
Fazit
Sie können als Haus- und Kleingärtner einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung von Erdmandelgras leisten! Verzichten Sie möglichst auf den Anbau bzw. achten Sie in jedem Fall darauf, dass keine lebenden Pflanzenteile in den Boden geraten.
Quelle
„Das Erdmandelgras – Gefahr aus dem Garten?“ Infobroschüre des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, August 2026
Download: MLV_Broschuere Erdmandelgras_20260812_DIGITAL-2
Autoren:
Dr. Marianne Benker, Günter Klingenhagen, (Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Pflanzenschutzdienst), Marc Brühne-Langenhuizen (Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW)
Bild: Fabian Napp, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen