Siegerehrung im Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

„Hier im Saal sitzen allesamt nur Macher“ lobte NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen  am 8. November 2025  die rund 300 Gäste auf Haus Düsse, die aus ganz NRW in die Soester Börde gekommen waren. Macher – das sind die Vertreter von 33 Dörfern, die beim 28. Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ von 337 teilnehmenden Dörfern in die Medaillenränge gekommen sind: Die Bewertungskommission vergab neunmal Bronze, achtzehnmal Silber und viermal Gold. Die vier Golddörfer Boisheim, Stadt Viersen; Darup, Gemeinde Nottuln; Helberhausen, Stadt Hilchenbach und Lenne, Stadt Schmallenberg, werden NRW 2026 beim Bundeswettbewerb vertreten.

Gorißen lobte Tatkraft, Engagement, Verantwortung, Innovationsfreude, Gemeinschaftsgefühl und das Ehrenamt der Teilnehmer: „Sie sind mit viel Herzblut und unter großem Zeiteinsatz für Ihre Dörfer aktiv geworden.“ Und sie gab unumwunden zu auf die Frage der Moderatorin Andrea Franken, welcher ihr Lieblingstermin in der vergangenen Zeit gewesen sei: „Hier auf Düsse natürlich die Siegerehrung.“

Dabei war dieser Termin „Schwerarbeit“ für die Ministerin. Sie schüttelte vier Stunden lang etliche Hände, vergab Dutzende von Urkunden und poste geduldig mit „Siegerlächeln“ mit allen Gruppen für den Fotografen. Um was es ging, umriss Franken bei der kurzen Vorstellung der Dörfer. So richtig deutlich aber wurde das Engagement und der Ideenreichtum der Teilnehmer bei der Vergabe der etlichen Sonderpreise. Da wurden alte, vom Verfall oder Abriss bedrohte Hofstellen umfunktioniert zu einem Museum oder einer Begegnungsstätte im Dorf, da kümmerte man sich um die Integration der Menschen in einer nahe liegenden Flüchtlingsunterkunft, da wurden alte Wasserflächen für die Umwelt wieder reaktiviert oder Teiche vor der Eutrophierung bewahrt, da wurden Genossenschaften für einen Dorfladen oder eine Kneipe gegründet, man forcierte die Digitalisierung im Dorf, kümmerte sich um eine bessere Mobilität oder um die Inklusion von Menschen mit einer Behinderung. Oder man stellte Mehrgenerationenprojekte auf die Beine, Wälder wurden gepflanzt, die Kooperation mit der Landwirtschaft verbessert oder bemerkenswerte Umweltprojekte angegangen.

Welchen Stellenwert die Sonderpreise haben, machen auch ihre finanziellen Ausstattungen deutlich. Für eine Bronzemedaille gab es 1.000 Euro, Silber wurde mit 2.500 Euro bedacht, und eine Goldmedaille wurde mit 3500 Euro gepolstert. Die Sonderpreise der NRW-Stiftung waren mit je 1.500 Euro ausgestattet, andere Institutionen machten von 250 bis 1.000 Euro für ihre Sonderpreise locker. Da auch schon Bronzedörfer bis zu zwei Sonderpreise einheimsen konnten, kam dadurch manchmal deutlich mehr Preisgeld zusammen als durch die eigentliche Auszeichnung. Insgesamt wurden 28 Sonderpreise vergeben.

Auch der Landesverband der Gartenbauvereine NRW vergab erstmals einen eigenen Sonderpreis für das eindrucksvollste gärtnerische Projekt. Er ging an das Golddorf Lenne für das Projekt „Gartenzwerge“, bei dem die ältere Generation des Dorfes den Kindern das Gärtnern vermittelt. „Die generationsübergreifende Weitergabe von praxisnahem Gartenwissen fördert nicht nur bei der jungen Generation den wertschätzenden Umgang mit Natur und Umwelt. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag, um im Dorf eine nachhaltige, generationenübergreifende Gartenkultur zu verankern“ begründete das Vorstandsmitglied Klaus Fischer die Auslobung des Sonderpreises des Landesverbandes.

Eckhard Uhlenberg, Präsident der NRW-Stiftung, der „größten und tollsten Stiftung im Land“, vergab im Namen der Stiftung die meisten Sonderpreise und gab so manchen wertvollen Hinweis in seinen Lobreden: „Gehen Sie wieder in Ihre Kneipe.“ In vielen Dörfern gibt es seit Jahrzehnten nicht nur ein Sterben der „Tante-Emma-Läden, sondern auch der Gasthöfe mangels Nachfolge, aber vor allem auch mangels genügend Umsatz, ein herber Verlust für die Dorfgemeinschaften.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Band Splash, die für jedes Dorf eine passende Musik für den Aufmarsch anstimmte. Viel Beifall gab es für die Mitglieder der Bewertungskommission, die in mehreren Wochen die vielen teilnehmenden Dörfer bereiste und begutachtete.

Folgende weitere Medaillen wurden vergeben

Bronze ging an Dörfergemeinschaft Gillrath, Hatterath, Nierstraß, Stadt Geilenkirchen; Haffen, Stadt Rees; Hesselteich, Stadt Versmold; Holthausen, Gemeinde Laer; Hülchrath, Stadt Grevenbroich; Lette, Stadt Oelde; Linden-Neusen, Stadt Würselen; Neuenheerse, Stadt Bad Driburg; Oberwiehl, Stadt Wiehl; Wardt, Stadt Xanten; Züschen, Stadt Winterberg.

Silber erhielten Bilstein, Stadt Lennestadt; Borgholz, Stadt Borgentreich; Bürvenich-Eppenich, Stadt Zülpich; Hommersum, Stadt Goch; Hülschotten, Gemeinde Finnentrop;  Hülsenbusch, Stadt Gummersbach; Kallenhardt, Stadt Rüthen; Marmagen, Gemeinde Nettersheim; Mellen, Stadt Balve;  Neuhonrath-Auel, Stadt Lohmar; Niesen, Stadt Willebadessen; Ostinghausen, Gemeinde Bad Sassendorf; Rehringhausen, Stadt Olpe; Rohren, Stadt Monschau; Sabbenhausen, Stadt Lügde; Scharmede, Stadt Salzkotten; Schönau-Altenwenden, Gemeinde Wenden; Vlatten, Stadt Heimbach.

Text: Klaus Fischer

Bilder: J Film & Fotografie, Jannik Geisthoff 2025