Bericht zum Veredelungs-Workshop der Gartenbauvereine im Kreis Minden-Lübbecke

Wie lassen sich Obstbäume durch Veredelung vermehren? Welche Werkzeuge und Materialien sind dafür erforderlich? Wie kann ich die gewünschte Obstsorte auf die gewünschte Wurzel oder den gewünschten Baum bringen? Auf alle diese Fragen konnte Günter Bünemann in einem Veredelungs-Workshop Antworten geben. 22 Gartenfreundinnen und Gartenfreunde aus dem gesamten Kreisgebiet hatten sich zum Workshop angemeldet.

Zunächst vermittelte Günter Bünemann anhand von Anschauungsstücken, Werkzeugen und den Pflanzmaterialien Grundlagen- und Basiswissen. So gibt es unterschiedliche Veredelungsmethoden (z.B. Okulation, Pfropfen, Anplatten, Chip-Veredelung), die zu unterschiedlichen Jahreszeiten angewendet werden.

Für die Teilnehmenden hatte der Workshop-Leiter eine große Auswahl an Veredelungsmaterial vorbereitet. Dazu gehören über 20 verschiedene Tafelapfelsorten, vom Klarapfel über den Boskop, der Goldparmäne bis hin zu diversen Renetten in Form von Edelreisern, die er im Winter von vielen vitalen Bäumen in der ganzen Region geschnitten hatte. Edelreiser sind gesunde einjährige Triebe. Als Basis für die Veredelungen hat Günter Bünemann spezielles Wurzelmaterial bei einer Baumschule eingekauft. Diese sogenannten Unterlagen gibt es in unterschiedlichen Kategorien. Über die Unterlagen wird die Wüchsigkeit der Bäume bestimmt, ebenso können unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten bei der Auswahl berücksichtigt werden. Im Grunde ist die Unterlage ein fünf bis acht Millimeter starker Bodentrieb mit kräftigen Wurzeln, an dem ein Edelreis entsprechend der Dicke angebracht wird. Diese Methode wird Kopulation genannt, sie gelingt in den Monaten März bis April besonders gut. Das Verfahren besteht aus zwei sogenannten Kopulationsschnitten, dabei wird an Unterlage und Edelreis mit jeweils gleichen Durchmessern eine glatte, schräg, etwa 3 Zentimeter lange, identisch geformte Schnittfläche angebracht. Diese Flächen werden passgenau übereinandergelegt und mit einem Gummiband aneinander befestigt.

In der Vorführung durch den Baumfachmann sieht die Handhabung dann aber doch etwas einfacher aus, als es sich bei den ersten Versuchen der Teilnehmenden herausstellt. Der Umgang mit den scharfen Messern erfordert viel Gefühl und Konzentration. Damit die Schnitte gelingen, muss kräftig, präzise und entschieden mit den Klingen gearbeitet werden, vor Verletzungen schützt dabei ein für jeden Teilnehmenden bereitgestellter schnittfester Däumling. Wenn die Schnitte glatt und gleichmäßig sind und die Flächen deckungsgleich übereinander liegen, dient ein spiralförmig um die Verbindung geschwungener Streifen Gummiband zur Fixierung. Das ist die nächste Herausforderung für die ungeübten Finger. Ist der Knoten nach mehreren Anläufen geschafft, besteht die Gelegenheit, etwaige während der Prozedur verursachte Verschiebungen zu korrigieren. Danach wird der Edelreis auf eine Länge von 3 Knospen gekürzt und die komplette Bandage sowie die Spitze des Edelreises mit einem erwärmten Harz-Wachs-Gemisch eingestrichen.

Der komplette Veredelung-Workshop war für die Teilnehmenden kostenlos, die Stämmchen wurden mit nach Hause genommen und sollten unbedingt dort eingepflanzt werden. Die Kultivierung heimischer Obstsorten und Arten ist ein guter Beitrag zum Erhalt der natürlichen Landschaftsbiodiversität in unserer Region, sagt Günter Bünemann. Die Kreisarbeitsgemeinschaft Minden-Lübbecke hat die Materialkosten für die Veranstaltung übernommen. Die gesamte Aktion soll für zusätzliche Bäume in der Region sorgen und als Beitrag zum Klima- und Insektenschutz verstanden werden. Im Hausgarten spielen Bäume und Gehölze für Insekten und Kleinlebewesen eine große Rolle. Ebenso tragen die Bäume zur CO2-Reduzierung bei.

Am Ende des Workshops verließen dann 51 frisch veredelte Apfelbäumchen den Veranstaltungsort, um in absehbarer Zeit an guten Standorten und bei fachgerechter Pflege als Halbstämme die ersten Früchte tragen.

Text und Bilder: Günter Bünemann