Bericht von der Gartenreise: Viele schöne Gärten ohne Grenzen

„Gärten ohne Grenzen“ – das klingt vielversprechend, aber auch zweideutig. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Aktion mehrerer Dutzend Gärten und Parks im Dreiländereck Saarland, Lothringen und Luxemburg. Die diesjährige Gartenreise des Landesverbandes der Gartenbauvereine in NRW führte deshalb rund 40 Teilnehmer in den deutschen Südwesten, die zum einen das grenzüberschreitende Konzept erkunden, aber auch erfahren wollten, ob diese öffentlichen und privaten Anlagen tatsächlich auch gestalterische Grenzen überschreiten.

Bei der Hinfahrt am Sonntag, 31. Mai, gab es nach einem kräftigen Frühstück einen längeren Aufenthalt in der Römerstadt Trier. Die internationalen Partnergärten der Stadt konnten die Reisenden allerdings nicht richtig überzeugen, sah man doch, dass es teils an Pflege mangelte. Trier selber, das die Gruppe bei einer Stadtführung erkundete, brachte die Reisenden so manches Mal zum Staunen: Wo in anderen Orten römische Münzen oder kleine antike Mauerreste schon eine Sensation sind, ist diese älteste deutsche Stadt übervoll mit Zeugnissen aus der römischen Geschichte, die teils, wie etwa die Basilika, auch nach 2000 Jahren immer noch in einem bemerkenswert guten Zustand sind und täglich benutzt werden.

Die Unterkunft für fünf Tage, das Parkhotel Weiskirchen, erwies sich als Glücksfall. Gute Zimmer, Top-Personal und jeden Abend ein Dreigangmenü vom Allerfeinsten, dazu noch ein großes Schwimmbad sowie eine Saunalandschaft zur freien Nutzung, da freuten sich die Gäste und waren voll des Lobes.

Am Montag ging es nach Frankreich, genauer in die Stadt Metz, die den Urlaubern vom Tagesführer Herr Hess näher gebracht wurde. Zuerst stand während der Runde durch die Stadt der botanische Garten auf dem Programm, der mit seinem alten Baumbestand und vielen teils exotischen Gewächsen die Gäste überzeugen konnte. Höhepunkt des Stadtrundgangs war zweifelsohne der Besuch in der berühmten gotischen Kathedrale, die nicht nur mit ihrer Gewölbehöhe von 41 Metern die Gruppe zum Staunen brachte, sondern auch durch die mittelalterlichen Fenster, die die größte Fläche an gotischer Glasmalerei in Frankreich ist. Metz und die Nachbarstadt Nancy sind das Zentrum des Mirabellenanbaus – weltweit, erfuhr die Gruppe von Herrn Hess. Rund 70 Prozent der Welternte an Mirabellen kommt aus Lothringen. In der Destille „Melanie“ inmitten von Mirabellenplantagen lernten die Deutschen das Handwerk des Mirabellenbrands kennen und durften auch den Schnaps und andere Getränke auf Mirabellenbasis probieren. Dazu gab es – na klar, Mirabellentörtchen.

Am Dienstag stand zuerst der Besuch beim Verband der Gartenbauvereine Saarland / Rheinland-Pfalz in Schmelz auf dem Programm. Leider war das Wetter unbeständig, so dass der Regenschirm zur Tagesausrüstung gehörte. Der Schaugarten am Kulturzentrum Brettinger Mühle war für die Gartenfreunde eine Enttäuschung, weil in die Jahre gekommen und ungepflegt. Er soll aber von Grund auf erneuert und verbessert werden, war von der Geschäftsführerin des Landesverbandes,  Sandra Brühl zu hören. Da man wegen einer Hochzeit in der Brettinger Mühle eine Stunde früher fertig war, gab es noch bis zum nächsten Programmpunkt genügend Zeit, um spontan das Freizeitzentrum Finkenrech bei Eppelborn besuchen zu können, ebenfalls ein Garten ohne Grenzen. Das war, so war sich die Gruppe einig, ebenfalls ein Glücksgriff. Denn die umfangreiche und bestens gepflegte Garten- und Parkanlage mit mehreren Themengärten von der Rosenanlage bis hin zum japanischen Zen-Garten begeisterte die Gartenfreunde. Da konnte auch ein kleiner Schauer die Freude nicht trüben.

Nächster Höhepunkt am Saarlandtag war das Rosarium Zweibrücken, das genau genommen kurz hinter der Landesgrenze in Rheinland-Pfalz liegt, aber auch zu den Gärten ohne Grenzen gehört. Zwar begannen die Beetrosen gerade erst mit der Blüte, dafür aber prunkten die zahlreichen Kletterrosen und Rambler mit Blütenpracht und oftmals auch verführerischem Duft um die Wette. Nach der fachkundigen Führung durch Gärtner Stalter kehrten die meisten im Rosencafe am Ende der großen Parkanlage zu Kaffee und Kuchen ein. Dann aber zog innerhalb von Minuten eine dunkle Wolkenwand auf, und der Himmel öffnete seine Schleusen. Da nützten auch die Schirme wenig, und man kam ziemlich durchnässt am Bus an. So beschloss man, den noch anstehenden Programmpunkt „Besuch des Wassergartens Grube Reden“ zu streichen – schon wieder ein Glücksfall. Denn am Tag darauf erfuhren die Reisenden, dass nur wenige Tage vorher der Wassergarten auf Dauer geschlossen wurde, weil aus der still gelegten Grube Reden kein Wasser mehr abgepumpt wird. Die Enttäuschung wäre vermutlich groß gewesen.

Am Mittwoch ging es nach Luxemburg, wieder unter der kundigen Tagesführung durch Herrn Hess, der zur Verstärkung seine Frau mitgebracht hatte. Nicht schlecht staunte man über das riesige Verwaltungsviertel auf dem Kirchberg, wo sich „Paläste“ von Banken, Versicherungen und der EU aneinanderreihten. Bei rund 136.000 Einwohnern der Stadt Luxemburg fragte man sich, wer denn in diesen riesigen Bürokomplexen arbeitet. Herr Hess konnte es genau erklären: „Es gibt täglich 260.000 Pendler aus Belgien, Frankreich und Deutschland.“
Wesentlich beschaulicher war hingegen die Altstadt mit dem Großherzoglichen Palast und dem Panoramaweg oberhalb der Kasematten, die in die Felsen der Luxemburger Schluchten gebaut worden waren. Der Stadtpark und der Rosengarten der Amalie waren „nett“, aber sicherlich kein Highlight der Fahrt.

Als ein solches hingegen entpuppte sich der nächste Programmpunkt nach der Mittagspause. Die Gruppe besuchte den Privatgarten Wolff in Walferdingen. Das rührige und gastfreundliche Besitzerpaar Wolff begrüßte die Deutschen in ihrem grünen Paradies, das sie als „naturnahen Garten“ charakterisierten. Tatsächlich staunten die Gäste über die außerordentlich üppige Natur, eine Pflanzenvielfalt mit teils ungewöhnlichen Kombinationen überzeugte die Besucher ebenso wie eine kleine Streuobstwiese, auf der Orchideen wuchsen, Knabenkräuter beispielsweise. Während Frau Wolff für die Pflanzensammlung zuständig ist in ihrem preisgekrönten Garten, hat sich ihr Mann mehr auf das Sammeln von ausrangierten Gegenständen spezialisiert, die aus einem benachbartem Recyclinghof stammen und die er allesamt in die Gartenlandschaft integriert hat. Aus 86 alten Fahrrädern hat er beispielsweise ein Geländer für einen Weg durch den Garten gebaut, die mittlerweile alle von rankenden Pflanzen überwuchert worden sind – ein ungewöhnlicher, aber auch anheimelnder Anblick.
Weil man länger als geplant in diesem vielfältigen und eindrucksvollen Garten geblieben war, strich die Gruppe auf der Rückfahrt zum Hotel den als Option geplanten Besuch im Rosengarten des Schlosses Munsbach, nachdem auch Frau Wolff vorher davon abgeraten hatte: „Die Rosen dort blühen noch gar nicht so richtig.“

Am Abreisetag (Fronleichnam) gab es noch einen größeren Aufenthalt in Maria Laach, dem uralten Benediktinerkloster am Laacher See in der Eifel. Da Fronleichnam ein hoher katholischer Feiertag ist, war die geplante Führung gestrichen worden, weil die Mönche anderweitig beschäftigt waren. Das war aber kein „Beinbruch“, konnte man doch auf eigene Faust sehr viel erkunden und in der Klostergärtnerei zuschlagen. So manches Gewächs trat anschließend die Reise nach NRW an. Insgesamt, so war das Fazit der Gruppe, war es einmal mehr eine gelungene Gartenreise des Landesverbands mit interessanten Zielen und einem empfehlenswerten Hotel.

Save the Date: Gartenreise Schweden 2027

Das Programm der 8-tägigen Gartenreise vom 27.06 – 04.07.2027 wird gerade vorbereitet. Bislang sind für die An- und Abreise Übernachtungen auf den Fähren nach und von Malmö und Göteborg geplant. Von der Unterkunft in Enköping aus sollen verschiedene Gartenhighlights in den Regionen Uppsala und Stockholm angefahren werden. Mehr dazu erfahren Sie im Herbst.

Bilder und Text: Klaus Fischer